FÜR mein Kind – nicht gegen die anderen
Heute war so ein Tag, der mich wieder daran erinnert hat, wie viel Klarheit, Mut und innere Arbeit es manchmal braucht, um wirklich hinter unseren Kindern zu stehen – auch wenn’s unangenehm wird.
Meine Tochter wollte heute keinen Besuch.
Die andere Mama und ich hatten den Spielbesuch vorher verabredet – aus der Idee heraus:
„Das wäre doch schön für die Mädchen.“
Wir meinten es gut. Dachten an Gemeinschaft, Spiel, Freude. Doch meine Tochter spürte ganz klar: Heute ist nicht der Tag dafür.
Und sie hat es gesagt. Immer wieder kurz vorher.
Dann stand der Besuch trotzdem plötzlich vor der Tür – die Nachricht war zu spät gelesen worden. Viele Tränen. Viel Frust. Viel Überforderung.
Später sagte sie:
„Mama, du hast gesagt, wenn ich sage, der Besuch soll gehen, gehen sie. Wir haben jetzt Kaffee getrunken. Jetzt sollen sie gehen.“
Und da war er – dieser Moment, in dem so viele innere Stimmen hochkommen:
„Oh nein, das ist jetzt unhöflich.“
„Was denken die Gäste?“
„Ich will niemandem auf die Füße treten.“
Ein People Pleaser hätte an dieser Stelle vielleicht versucht, das Kind abzulenken. Irgendwas beschwichtigt, schön geredet, überredet:
„Ach komm, so schlimm ist es doch nicht.“
„Die freuen sich doch so, hier zu sein.“
„Jetzt reiß dich mal zusammen, sonst sind die traurig.“
Aber genau DAS ist das Problem.
Wenn wir unsere Kinder lehren, ihre Bedürfnisse hintenanzustellen, damit andere sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen – dann zeigen wir ihnen:
„Die Gefühle der anderen sind wichtiger als deine.“
Und genau deswegen ist es so, so wichtig, dass wir Mamas anfangen, uns mit unserer eigenen Geschichte, unseren inneren Mustern und Glaubenssätzen auseinanderzusetzen.
Denn nur wenn wir verstehen, warum uns bestimmte Situationen so stressen, warum wir Harmonie brauchen oder Angst vor Ablehnung haben, können wir bewusst anders handeln.
Ich habe dann die Entscheidung getroffen, den Besuch nach einer halben Stunde freundlich zu bitten zu gehen. Nicht gegen sie – sondern für mein Kind. Für ihr Bedürfnis nach Ruhe. Für ihr Vertrauen in mich. Für unser Band.
Wir haben uns davor gemeinsam zurückgezogen, uns Raum genommen – und danach war für mich klar:
Ich stehe an ihrer Seite.
Bedingungslose Liebe bedeutet nicht, immer Ja zu sagen. Sondern Ja zu sagen zu dem, was gerade da ist.
Und das gilt für unsere Kinder genauso wie für uns selbst.
Denn nur, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht ständig übergehen, können wir lernen, auch die unserer Kinder mit offenem Herzen zu sehen.
Das ist keine „weichgespülte Erziehung“. Das ist echte, starke, bewusste Elternschaft. Und sie beginnt bei uns.
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